
Normalerweise sagen wir in der Beratung einen Satz sehr konsequent: Kaufen Sie eine Klimaanlage wegen des Sommers, die Heizfunktion gibt es als Zusatznutzen für die Übergangszeit obendrauf. Es gibt eine Wohnsituation, in der wir diesen Satz erweitern, und das ist die Wohnung mit Nachtspeicherheizung. Denn hier ist die Alternative zur Klimaanlage nicht Gas oder Öl, sondern ebenfalls Strom, nur eben Strom, der ohne jeden Hebel direkt verheizt wird. Warum das die Rechnung grundlegend ändert, zeigen wir in diesem Beitrag.
Das Grundproblem der Nachtspeicherheizung
Ein Nachtspeicherofen ist im Kern ein großer Tauchsieder mit Steinen: Er wandelt nachts, wenn der Strom im Niedertarif günstiger ist, elektrische Energie eins zu eins in Wärme um und speichert sie in einem Keramikkern. Aus einer Kilowattstunde Strom wird exakt eine Kilowattstunde Wärme, physikalisch ist da nicht mehr drin. Dazu kommt die Trägheit: Der Ofen wird nachts geladen und gibt die Wärme über den Tag ab, ob sie gebraucht wird oder nicht. Morgens ist es oft zu warm, am Abend, wenn alle zu Hause sind, wird der Kern leer. Kurzfristig nachsteuern lässt sich kaum.
Eine Split-Klimaanlage arbeitet im Heizbetrieb als Luft-Luft-Wärmepumpe: Sie nutzt Strom nicht zum Verheizen, sondern zum Verschieben von Wärme aus der Außenluft in den Raum. Aus einer Kilowattstunde Strom werden so drei bis fünf Kilowattstunden Wärme (COP 3 bis 5). Wie diese Technik grundsätzlich funktioniert und wo ihre Grenzen liegen, erklärt unser Beitrag Kann ich mit der Klimaanlage heizen?
Die Rechnung: Niedertarif schlägt Wärmepumpe nicht
Der häufigste Einwand in Gesprächen mit Nachtspeicher-Haushalten: „Aber ich habe doch günstigen Nachtstrom.“ Rechnen wir es durch. Kostet der Niedertarif beispielsweise 20 Cent pro Kilowattstunde, kostet die Kilowattstunde Nachtspeicher-Wärme ebenfalls 20 Cent. Die Split-Anlage läuft zwar mit normalem Haushaltsstrom für etwa 30 Cent, holt daraus bei COP 4 aber vier Kilowattstunden Wärme. Macht 7,5 Cent pro Kilowattstunde Wärme. Selbst mit deutlich günstigerem Nachtstrom und einem vorsichtig angesetzten COP bleibt die Wärmepumpe klar vorn.
| Nachtspeicherofen | Split-Klimaanlage im Heizbetrieb | |
|---|---|---|
| Aus 1 kWh Strom wird | 1 kWh Wärme | 3 bis 5 kWh Wärme |
| Kosten pro kWh Wärme (Beispiel) | ca. 20 Cent (Niedertarif 20 Cent) | ca. 6 bis 10 Cent (Haushaltsstrom 30 Cent, COP 3 bis 5) |
| Reaktionszeit | lädt nachts, Wärmeabgabe träge über den Tag | Raum in Minuten warm, minutengenau regelbar |
| Sommer | keine Funktion | kühlt als Klimaanlage |
| Warmwasser | keines (separater Boiler nötig) | keines, daran ändert sich nichts |
Auf die Wohnung hochgerechnet: Eine 70-m²-Wohnung mit Nachtspeicherheizung kommt je nach Dämmstandard schnell auf 7.000 bis 10.000 Kilowattstunden Heizstrom im Jahr, also grob 1.400 bis 2.500 € Heizkosten. Übernimmt eine Split-Anlage den Großteil dieser Heizarbeit, sinken die Kosten für denselben Wärmebedarf auf einen Bruchteil. Je nach Wohnung und Nutzung liegt die realistische Ersparnis in der Größenordnung von mehreren hundert Euro pro Jahr, oft deutlich darüber. Und anders als bei Gas- oder Ölheizungen kippt diese Rechnung auch im Winter nicht: Selbst wenn der COP an einem Frosttag auf 2 sinkt, ist das immer noch die Hälfte des Verbrauchs eines Nachtspeicherofens für dieselbe Wärme.
Und im Sommer kühlt sie: das zweite Argument
Nachtspeicher-Wohnungen findet man häufig in Gebäuden der 1960er bis 1980er Jahre, und viele davon heizen sich im Sommer stark auf. Die Split-Anlage ist hier kein Entweder-oder: Dieselbe Anlage, die im Winter die Stromrechnung entlastet, hält im Sommer Schlaf- und Wohnräume kühl. Was das im Betrieb kostet, haben wir im Beitrag zum Stromverbrauch von Klimaanlagen aufgeschlüsselt. Es gibt kaum eine Wohnsituation, in der ein einziges Gerät über das Jahr gesehen so viel Nutzen stiftet.
Ehrliche Grenzen: Was die Anlage nicht ersetzt
- Warmwasser: Die Split-Anlage erwärmt Luft, kein Wasser. Ihr Durchlauferhitzer oder Boiler bleibt, wie er ist.
- Innenliegende Räume: Bad oder Flur ohne eigenes Innengerät werden nur indirekt mitversorgt. Häufig bleibt dort ein kleiner elektrischer Zusatzheizkörper die pragmatische Lösung.
- Die kältesten Tage: Bei strengem Frost sinkt die Effizienz, und die Anlage muss regelmäßig abtauen. Wirtschaftlich bleibt sie der Nachtspeicherheizung trotzdem überlegen, aber es ist vernünftig, die vorhandenen Öfen zunächst als Reserve zu behalten, statt sie sofort auszubauen.
- Mehrere Räume hinter geschlossenen Türen brauchen mehrere Innengeräte. Warum kalte wie warme Luft nicht über Türschwellen wandert, erklärt unser Beitrag Mehrere Räume mit einem Innengerät.
Was der Umstieg kostet
Die Preise unterscheiden sich nicht von anderen Split-Projekten: Eine Single-Split-Anlage für den wichtigsten Raum gibt es bei uns ab 2.890 € im Komplettpaket, mehrere Räume lassen sich als Multi-Split ab etwa 5.600 € anbinden. Die komplette Aufstellung steht im Beitrag Was kostet eine Split-Klimaanlage? Ein Vorteil von Nachtspeicher-Wohnungen: Die Elektroinstallation ist auf elektrisches Heizen ausgelegt, entsprechende Zählerplätze und Leitungsreserven sind meist vorhanden. Die Zuleitung zur Anlage erstellt wie immer ein Elektrofachbetrieb, auf Wunsch koordinieren wir das. Ob sich Ihr Niedertarif-Zähler weiter sinnvoll nutzen lässt, hängt vom Tarif ab und lässt sich mit einem kurzen Anruf beim Versorger klären.
Bleibt die Amortisation, und die ist bei Nachtspeicher-Haushalten außergewöhnlich schnell erzählt: Wer heute 1.800 € im Jahr für Heizstrom ausgibt und davon durch die Wärmepumpen-Technik mehrere hundert Euro spart, hat die Anlage nach einigen Jahren allein über die Heizkosten wieder eingespielt. Die Sommerkühlung gibt es in dieser Rechnung geschenkt.
Häufige Fragen dazu
In vielen Wohnungen weitgehend, aber selten zu hundert Prozent. Räume mit Innengerät werden zuverlässig und deutlich günstiger beheizt; für innenliegende Räume wie das Bad und für die kältesten Tage ist eine Reserve sinnvoll. Wir empfehlen meist, die vorhandenen Öfen zunächst als Backup zu behalten.